REINER SELIGER

Zunächst strikt voneinander getrennt, erlaubt Reiner Seliger allmählich die gegenseitige Annäherung der Arbeiten aus unterschiedlichem Werkstoff, ihre Nähe zueinander und die Gegenüberstellung. Inzwischen ist es ein kreatives Spiel, die Materialien miteinander in Beziehung zu setzen, die Spannungen zwischen Marmor und Beton, Backstein und Ytong auszuloten und auch hier die Wechselwirkungen auszukosten. ... Reiner Seliger gelingt es immer wieder, der Materialität seiner Werke eine andere Qualität und Wirkung zu verleihen, das Schwere, Grobe und Harte leicht, zart und morbide erscheinen zu lassen. Als schüfe er mit jeder neuen Arbeit einen weiteren Phönix aus der Asche. Den Styropor schneidet und bricht Seliger zu großen splitterartigen Stücken zurecht, auch hier birgt, wie bei den Backsteinen und Schuttresten, jeder einzelne „Baustein“ die Dualität von glatter Schnittfläche und rauer Bruchkante. ... Die  Ambivalenzen der Strukturen- innerhalb eines Werkes, zwischen den Werkgruppen und zwischen Werk und Raum – machen die Faszination der Arbeiten von Reiner Seliger aus. Scheinen die großformatigen Skulpturen geschlossen und kompakt, so sind sie doch hohl und porös; zwischen den Steinen bleibt immer wieder ein Spalt, der vage Einblicke in den hermetischen Innenraum der Körper gewährt. Jede Skulptur ist von geschlossener, klar konturierter Gestalt und auf Distanz eindeutig zu umreißen.

(aus dem Ausstellungskatalog „broken stuff“ von Dr. Gundula Caspary, Museum Siegburg)