Die Mischung macht's

Ingolstadt (DK) Wer sich einen Überblick verschaffen will, wie Ingolstadts einzige Kunstgalerie in den vergangenen zehn Jahren arbeitete und zugleich eine spannende Ausstellung moderner Kunst erleben will, ist zurzeit bei Mariette Haas am rechten Platz. Zum zehnjährigen Jubiläum ihres Hauses hat die Galeristin die „Dekade“ eingerichtet: Eine Schau, die tatsächlich alle mittlerweile 22 Galeriekünstler präsentiert – in einem so munteren wie qualitätvollen Miteinander voller Korrespondenzen.

60 Arbeiten hat Haas in ihren Räumen in der Neubaustraße arrangiert – Malerei, Fotografie, (Licht-)Objekte, Installationen, Webbilder; Werke aus Schaumstoff, Acryl, Metall, Legosteinen, Kreidestücken, Glaslüstern oder Kunststoff. Es ist das Verdienst der Galeristin und ihrer Tochter, die seit Kurzem in die Geschäftsführung mit eingestiegen ist, diese kunterbunte Mischung an Genres und Materialien in eine berückend stringente, klare, hochästhetische Präsentation verwandelt zu haben: Neben dem eigenen Stil der Galerie – junge zeitgenössische Kunst mit Tendenz zum Reduzierten und Konkreten – schaffen die Verbindung auch Farben, Techniken, Themen.

Da gibt es gleich eingangs den lediglich Schwarzweiß bestückten Raum: mit einem riesigen, so gegenständlichen wie informellen Webbild Sonja Webers und (Wand-)Objekten von Altmeistern wie Ben Muthofer oder Erfolg versprechenden Newcomern wie Irina Pryval. Der zweite, der Durchgangsraum, ist eine Art stilisiertes Wohnzimmer geworden – Charles Eames‘ lederner Sesselklassiker, umgeben von leuchtenden Acrylglas- oder schimmernden Metallbildern (Gisela Hoffmann, Camill Leberer), ist auf zwei geheimnisvolle schwarze Würfel an der Wand. Ein Handgriff und sie stehen offen – und zeigen im Innern ihrer edlen konkreten Form je einen herzzerreißend verspielten (und natürlich beleuchteten) Lüster aus Glas. Ottmar Hörl, Direktor der Nürnberger Akademie und einer der ersten und treusten Künstler der Galerie, hat diese wunderbar pointierte Arbeit für den Raum, der Bezug nimmt auf die einstige Ausstellung „Kunst trifft Wohnen“, neu kreiert – auch sonst ist von Besenstücken bis zu Pinguinen einiges von ihm zu sehen.

Auch im dritten Raum, in dem die bestens strukturierte Vielfalt nun endlich fröhliche Urständ feiert. Schön ist es hier – und kaufmotivierend, denn viele der meist kleinen Arbeiten sind erschwinglich. Da gibt es wundersame Kostbarkeiten wie Dirk Brömmels reduzierte fotografische Zeichnungen, Klaus Lomnitzers Miniarchitekturansichten aus Haushaltsschwämmen oder Hellmut Bruchs ohne jegliche zusätzliche Lichtquelle von selbst leuchtende konkrete Acrylglasarbeiten. Wie im gesamten Galerienbereich trifft auch hier Gesehenes auf Brandneues, Witziges auf Ernstes, der große Name auf den etwas kleineren. Eine herrliche Mischung insgesamt, die unbedingt sehenswert ist.

Von Karin Derstroff

Foto: ksd
"Ottmar Hörls Lüster in aufklappbaren Würfeln"