Die Mischung machts

Donaukurier, 15.06.2012
Ingolstadt (DK) Kunst aus dem Baumarkt – die gibt es derzeit nicht nur im Museum für Konkrete Kunst zu sehen, sondern auch in der Galerie Mariette Haas. Allerdings nicht als Arbeitsmotto, sondern materiell inspiriert vom eigentlichen Ausstellungsthema „Collage“. Das wählte die Klasse Ottmar Hörl an der Nürnberger Akademie für ihre Ingolstädter Schau – und natürlich lässt sich trefflich collagieren etwa mit Sieben, Schläuchen, Gießkannen, Kanistern (aus solchen Materialen schuf Urban Hüter seine alienhaften Wandzwitterwesen namens „Plastix, Evolution“). Mit Glühbirnen, Lampenfassungen und Steckdosen (Nehle Bertsch's „Netzwerk“) oder mit Flockstoff, Staubsaugerschlauchkugel und Einkaufswagen (Iryna Pryvals „caddy“ sieht so aus). Mit Dingen eben, die man im Baumarkt kaufen kann. Aber auch Hunderte von toten Fliegen, Seife, zerknülltes Papier in Folie und altes Gummispielzeug kommen darüber hinaus zum Einsatz für die objekthafte, bunte Präsentation.

Es ist, der Status der Ausstellungsteilnehmer als Studierende teils auch niedriger Semester legt es nahe, eine junge Schau, geprägt von unverbrauchtem Experimentierernst und mit Exponaten von teils erstaunlicher Qualität. Petra Lummers titellose Figurcollagen gehören dazu: Die 29-jährige studierte Diplom-Designerin, die seit 2008 ihr Zweitstudium bei Hörl absolviert, montiert Köpfe und Körper von altem Kunststoffspielzeug, von Tier- und Menschenpuppen, zusammen wie ein wahnsinnig gewordener Operateur – und schafft mit den in weißen Wandkästen präsentierten KreatuLren wundersame poetisch-komische „Collagen“ zu Fragen von Form, Material und Inhalt.

Überhaupt wird viel und spannend untersucht in der Schau: Zum Beispiel, wie oft und wie lange man sich die Hände waschen muss, bis die in eine transparente Glyzerinseife gegossenen Kernseifenbuchstaben als ganzer Text lesbar sind. Diese kleine feine Arbeit mit einem gewissen materialhaften Bezug zu Ottmar Hörls bekannter „Unschuldsseife“ stammt von dessen Assistentin Joanna Maxellon; auch eine Arbeit des Meisters selbst (Raben auf einem Bild) ist vorhanden. Ansonsten stellen insgesamt 20 Studierende aus mehreren Nationen aus; und überraschend viele von ihnen können sich bereits über rote „Verkauft“-Punkte neben ihren Exponaten freuen. Kein Wunder bei Preisen hauptsächlich zwischen 100 und 400 Euro für spannende junge Kunst. Von Karin Derstroff