Drinnen - Draussen

Donaukurier, 08.07.2010

Reif für die Insel

Es muss nicht immer konkrete Kunst sein: Pünktlich zur Reisezeit verlässt Galeristin Mariette Haas ihren gewohnten Pfad und präsentiert eine hochsommerliche, kindlich gegenständliche Ausstellung. Mit äußerst farbigen Bildobjekten zum Thema Urlaubsidylle und aus, so scheint es, gerade aufgeblasenen Plastikkissen.

Doch halt! Weitaus hintergründiger (und von ganz anderem Material!) sind die bunten, dreidimensionalen Südseeansichten von Barbara Storck-Brundrett mit ihren aufgepappten Schirmchen, Liegestühlen oder Fischen. Und weitaus mehr als Riesen"Smarties" die unter diesem Titel ebenfalls zu sehenden Boden- und Wandobjekte der früheren Timm-Ulrichs-Meisterschülerin Uta Weber.

"Unruhekissen" nennt Storck-Brundrett ihre Objektserie und setzt damit schon im Titel kleine Irritationen. Und in der Tat ist darin nichts so, wie es zunächst scheint: Weder Plastikkissen noch aufgeblasen und schon gar nicht Idylle sind die Arbeiten der 52-Jährigen. Ersteres merkt man, wenn die Galeristin ein Exponat herunternimmt, um den Holzrahmen dahinter zu zeigen; Malerei auf Leinwand sind die scheinbar industriellen Kunststoffobjekte. Dass aber auch irgendwas mit dem niedlichen Motiv nicht stimmt, entdeckt man schließlich bereits von vorn. Denn in den detailreichen Reliefs – auf der leuchtend gemalten Wasserfläche kleben Sand(strand), Kunstgrasinseln, Minisonnenschirmchen, winzige Badetücher – lauert das Unheimliche. Da versteckt sich ein Krokodilkopf in besonders lauschiger Lagune – und prompt stellt sich die Frage, was die kleinen Badeschlappen in der Nähe zu bedeuten haben. Da trudelt ein bunter Schwimmreifen fröhlich auf Südseeblau – in Gesellschaft eines Hais. Eine im Bauchbereich verdächtige ausgebeulte Schlange ruht in einem Pool, traumhafte Strände sind voll von Baderequisiten und trotzdem völlig menschenleer. Rabenscharze Geschichten – zum Beispiel über Sehnsucht und Wirklichkeit – erzählen die bunten Collagen. Und das als Malerei, die aus dem Rahmen tritt.

In gewisser Weise lässt sich das auch über die "Smarties" von Uta Weber sagen. Die 44-jährige Künstlerin aus Köln schafft mit ihren großen Objekten aus Polyurethan und Autolack die perfekte Symbiose zwischen gegenständlicher Abbildung und konkreter Kunst ebenso wie zwischen Malerei und Plastik. Untrennbar verbinden sich makellose Form und hochglänzende Farbe zum Farbkörper – wobei freilich wiederum nur die originale "Smarties"-Tönung zugelassen ist. Und das heißt: Bunt wie aus der Bonbontüte ist auch dieser Part der Ausstellung.

Die liefert insgesamt ein sommerliches Schauvergnügen, trotz oder wegen unbestrittener Kitsch-Anflüge. Ein frecher, gelungener Urlaubsausreißer der Galeristin!

Von Karin Derstroff