Eintauchen

Donaukurier, 25.09.2013
Ingolstadt (DK) „Eintauchen“ – was für ein passender Titel! Denn eingetaucht ist Iryna Pryval in industrielle Forschung. Eingetaucht hat sie alsdann all ihre Rohlinge in Maschinen und Materialien. Eintauchen ließ sie sogar ihren eigenen Hund – und zwar in einen Pool; das Unterwasser-Video des schwimmenden Tiers läuft in Endlos-Schleife in der Schau.

Und eintauchen kann der Betrachter: in die bunte Ideenwelt einer jungen Künstlerin, die indes freilich längst selbstbewusst auftaucht in der Welt der Kunst.

In der Ingolstädter Galerie Mariette zeigt die 26-jährige Ukrainerin, Meisterschülerin des Nürnberger Akademiedirektors Ottmar Hörl und gleichzeitig Studentin in der Münchner Bildhauerklasse bei Olaf Metzel, nun ihre Arbeiten – und bezirzt auf den ersten Blick durch ungeheuer samtige Hunde (blau und weiß), Klodeckel und Wasserhähne (schwarz), Faltenwürfe (lila) oder rechteckige Flächen (orange). Doch was so kuschelig fürs Auge ist, so unverfroren haptisch reizt (Anfassen ist trotzdem verboten), ist weit mehr als hübscher Gag. Material und Farbe untersucht Pryval, gleichzeitig als Bildhauerin und Malerin, in ihren durch „Formbeflockung“ scheinbar weich gewordenen Objekten.

Das Verfahren des nahtlosen Überzugs mit textiler Struktur aus unzähligen Fasern studierte die Künstlerin seit 2008; „eine lange Forschungsreise“ sei es gewesen, erzählt sie bei der Vernissage, bis sie ein Labor fand, in dem sie experimentieren und selbst produzieren durfte. Nun macht der samtige Überzug banale Alltagsgegenstände wie den Wasserhahn zur Preziose – und stellt zugleich Fragen nach Gültigkeit von Form (die Faltenversionen sind von kunstgeschichtlichen Skulpturen hergeführt), nach Licht und Schatten und auch nach Sinn gebender Bedeutung des Materials. In den beiden zunächst identisch gegossenen, unterschiedlich beflockten Hundefiguren, deren Vorbild der Welpenwurf war, aus dem Pryvals eigener Hund stammt, lässt sich tatsächlich auch über Identitäten grübeln.

Doch längst hat Pryval die Materialforschung ausgedehnt auf Kunststoffe und ihre Formbarkeit. Auch hier lassen sich durch bestimmte Verfahren Falten bilden – diesmal nicht beflockt, sondern mit speziell oszillierenden Autolacken überzogen. Hier ist hart und laut, was dort kuschelig und weich erscheint, um die untrennbare Zweisamkeit zwischen Form und Farbe, die Überhöhung des Banalen durch Ästhetik, geht es aber auch hier. Eine junge, reizvolle, unbefangen selbstbewusste Schau und schon deshalb sehenswert!

Von Karin Derstroff