Ottmar Hörl - Verwandlungen

Donaukurier, 14.09.2010

Venus in Unterwäsche

"Verwandlung" heißt Ottmar Hörls neue Ausstellung in der Galerie Mariette Haas – und der findige Kunstprofessor und Meister der seriellen Vermarktung kann, wie zur Vernissage geschehen, sehr logisch erklären, was da alles verwandelt wird.

Etwa die Galerie in ein Museum – denn bei Haas hängen nun tatsächlich in Originalgröße "alte Meister". Deren Werke verwandelt er außerdem in zeitgenössische Kunst: Denn natürlich hat Hörl die berühmten Vorbilder am PC bearbeitet. Und nicht zuletzt der Blick des Gastes: Vom oberflächlichen "Tizian kenn’ ich schon" soll er ändern in genaueres Hinschauen und Neu-Entdecken. So viel zum Motto also.

Was aber ist zu sehen? Große und vor allem großpixelige Computerdrucke weltbekannter Malerei. Genauer: weltbekannter Aktgemälde, deren Protagonistinnen Hörl – bekleidet. Nicht mit Bikinis, wie es auf den ersten Blick den Anschein hat, sondern mit schwarzer, fein schlichter Unterwäsche. Die bedeckt, sehr klar konturiert, gewollt unmoduliert, nun die Blößen sämtlicher Frauen in Ingres’ "türkischem Bad", verhüllt die Nacktheit der "drei Grazien" von Rubens oder der Tizianschen "Venus von Urbino" und macht auch bei Dürers "Adam" das Feigenblatt eigentlich recht überflüssig.

Nicht schwer, aber arbeitsreich sei der Prozess der Entstehung dieser Bilder gewesen, erzählt Hörl zu Vernissage: Aus den verschiedensten Katalogabbildungen musste die schönste herausgesucht, gescannt, ausgedruckt, der Druck mit Filzstift bemalt und die so entstandene schwarze Wäsche am PC angepasst werden. "Glaubwürdig" sollten die Ergebnisse, denen viele Fehlversuche vorausgingen, sein und die Würde der Figuren ebenso wie die der Maler wahren. Das ist schön gesagt.

Aber im Ergebnis, im künstlerischen, wortlosen, ohne Ansehen der Person sich zeigenden Ergebnis, doch lediglich banal. Nur durch den bekannten Namen des mittlerweile 60-jährigen Nürnberger Akademiepräsidenten funktioniert wohl die neue Arbeitsserie, die er derzeit auch an vielen anderen Orten zeigt. Mag auch das eine oder andere Detail – der Bruch der schwarzen Fläche etwa – überzeugen, über eine sehr oberflächliche neue Idee zu Hörls altbewährter der seriellen Reproduktion und einen ersten oberflächlichen Reiz kommen die Arbeiten nicht hinaus. Man sieht (nichts neues), man wundert und man langweilt sich. Hörl wird’s indes nicht stören: Auch die "Verwandlungen" werden sicher ihre Käufer finden.

Von Karin Derstroff