Zweimal konkret

Donaukurier, 28.11.2011
Ingolstadt (ksd) Zwei österreichische Altmeister der Konkreten Kunst hat die Ingolstädter Galerie Mariette Haas derzeit zu Gast.
In der Ausstellung „1 + 1“ zeigen Gerhard Frömel, Jahrgang 1941, und Hellmut Bruch, 1936, indes ungeheuer vitale Kunst. Die steht unter den Titeln „Licht und Proportion“ (Bruch) und „Wechselnde Wahrnehmung“ (Frömel) und zeigt genau das – dazu aber auch zwei Ansätze des Genres, die unterschiedlicher nicht sein und besser nicht zusammengehen könnten.

Der erste Raum gehört dabei den Wandobjekten Frömels. Plexiglas und lackiertes Aluminium sind seine Materialien, Schwarz und Weiß die Farben. Flächen definiert er damit, schlichte Bildtafeln, die freilich durch dezente Aufklappungen räumlich geworden sind. Hier kippt ein Segment millimeter- weit nach vorn, dort faltet sich ein anderes unsichtbar ein: Was das Auge nicht sofort erkennt, offenbart sich bei Bewegung des Betrachters geradezu sinnver- wirrend, lässt die federleichten Wandobjekte sich scheint's selbst bewegen – so virtuos gespieltes wie dynamisches Wahrnehmungsspiel ganz im Sinne der Konkreten Kunst.

Ganz ruhig machen dagegen Hellmut Bruchs rot oder gelb leuchtende Acrylglasbilder in den nächsten Räumen. Kein Wunder: Ganz der mathematischen Fibonacci-Regel folgen die Diagonalen, Kreise oder Quadrate, die aus Bruchs schimmernden Bildflächen leuchten wie LED. Doch fremde Lichtquellen gibt es nicht. Allein die Bearbeitung des fluorisierenden Trägers, das Ein- fräsen der Formen, bringt das klare Licht hervor. Von großer und ergreifender Perfektion sind Bruchs Bilder – wie auch die seines Kollegen Frömel. Sehenswert!